Die Transzendenz in der Bedeutung des Transzendenten als des Absoluten, welches als erstes metaphysisches Prinzip aller Wirklichkeit unendlich erhaben über und zugleich jenseitig bzw. verborgen für die Reichweite der Erkenntnisvermögen des endlichen Intellekts ist, stellt einen festen doktrinalen Bestandteil sowohl der henologischen (d. h. einheitsmetaphysischen) als auch der ontologisch-noologischen Tradition der metaphysischen Prinzipientheorie im abendländischen Denken dar. Weil eine absolute Einheit unbegrenzt sein muss, um vollkommen einfach sein zu können, ist das erste, schlechthin einfache Prinzip aller Wirklichkeit nicht nur transzendent gegenüber allem anderen, d. h. unendlich verschieden von ihm und unendlich erhaben über es; sondern es muss aufgrund seiner unbegrenzten Einheit zugleich auch allem anderen unübertrefflich nahe und gegenwärtig, das aber bedeutet: allem anderen innewohnend bzw. immanent sein. Mit anderen Worten: Gerade aufgrund der unendlichen Einfachheit seines Wesens muss Gott als das Absolute der Welt gegenüber nicht nur schlechthin transzendent, sondern ihr auch in ebenso vollkommener Weise immanent bzw. in ihr allgegenwärtig sein, und zwar als ihr kreatives, konstitutives und finalursächlich bestimmendes Prinzip. Diese klassisch-metaphysische Verhältnisbestimmung zwischen der Transzendenz und der Immanenz Gottes hat in den modernen Religionsphilosophien von E. Przywara und P. Tillich bedeutende Reformulierungen erfahren.

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Transzendenz und Immanenz

  • Markus Enders

摘要

Die Transzendenz in der Bedeutung des Transzendenten als des Absoluten, welches als erstes metaphysisches Prinzip aller Wirklichkeit unendlich erhaben über und zugleich jenseitig bzw. verborgen für die Reichweite der Erkenntnisvermögen des endlichen Intellekts ist, stellt einen festen doktrinalen Bestandteil sowohl der henologischen (d. h. einheitsmetaphysischen) als auch der ontologisch-noologischen Tradition der metaphysischen Prinzipientheorie im abendländischen Denken dar. Weil eine absolute Einheit unbegrenzt sein muss, um vollkommen einfach sein zu können, ist das erste, schlechthin einfache Prinzip aller Wirklichkeit nicht nur transzendent gegenüber allem anderen, d. h. unendlich verschieden von ihm und unendlich erhaben über es; sondern es muss aufgrund seiner unbegrenzten Einheit zugleich auch allem anderen unübertrefflich nahe und gegenwärtig, das aber bedeutet: allem anderen innewohnend bzw. immanent sein. Mit anderen Worten: Gerade aufgrund der unendlichen Einfachheit seines Wesens muss Gott als das Absolute der Welt gegenüber nicht nur schlechthin transzendent, sondern ihr auch in ebenso vollkommener Weise immanent bzw. in ihr allgegenwärtig sein, und zwar als ihr kreatives, konstitutives und finalursächlich bestimmendes Prinzip. Diese klassisch-metaphysische Verhältnisbestimmung zwischen der Transzendenz und der Immanenz Gottes hat in den modernen Religionsphilosophien von E. Przywara und P. Tillich bedeutende Reformulierungen erfahren.