Was der Gegenstand einer Geschichte der musikalischen Interpretation im 19. Jahrhundert sein könnte, versteht sich nicht von selbst. Soll es dabei eher um eine Beschreibung des Musiklebens im Allgemeinen und der in diesem Rahmen angewendeten instrumentalen, vokalen und organisatorischen Praktiken gehen oder um die Beobachtung dessen, was im engeren Sinne Interpretation heißen kann: die speziellen Lesarten, denen zu bestimmten Zeiten individuell oder kollektiv, an einem Ort oder weit verbreitet die Kompositionen unterzogen werden? Wie aussichtsreich es auf die eine wie die andere Art erscheinen mag – es gilt, die Aufführung vom Aufgeführten systematisch abzulösen und ihre eigene geschichtliche Bewegung zu verfolgen, die sich dann wieder konkret als die Geschichte der Interpretation bestimmter Stücke, OEuvres oder Repertoires, abstrakter als Geschichte wechselnder Paradigmen bei der Ausführung von Notentexten (Auswahl, Gestaltungspräferenzen, Funktionalisierung etc.) darstellen kann, dabei aber laufend mit der Geschichte der Komposition in vergleichende Beziehung gesetzt werden sollte.

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Geboren um 1770 - Das bürgerliche Subjekt im Morgenglanz: Identifikationsfigur Musik

  • Reinhard Kapp

摘要

Was der Gegenstand einer Geschichte der musikalischen Interpretation im 19. Jahrhundert sein könnte, versteht sich nicht von selbst. Soll es dabei eher um eine Beschreibung des Musiklebens im Allgemeinen und der in diesem Rahmen angewendeten instrumentalen, vokalen und organisatorischen Praktiken gehen oder um die Beobachtung dessen, was im engeren Sinne Interpretation heißen kann: die speziellen Lesarten, denen zu bestimmten Zeiten individuell oder kollektiv, an einem Ort oder weit verbreitet die Kompositionen unterzogen werden? Wie aussichtsreich es auf die eine wie die andere Art erscheinen mag – es gilt, die Aufführung vom Aufgeführten systematisch abzulösen und ihre eigene geschichtliche Bewegung zu verfolgen, die sich dann wieder konkret als die Geschichte der Interpretation bestimmter Stücke, OEuvres oder Repertoires, abstrakter als Geschichte wechselnder Paradigmen bei der Ausführung von Notentexten (Auswahl, Gestaltungspräferenzen, Funktionalisierung etc.) darstellen kann, dabei aber laufend mit der Geschichte der Komposition in vergleichende Beziehung gesetzt werden sollte.