Begriffliche Hindernisse für einen liberalen Gegenschlag: Der Kampf gegen den sozialistischen Gegner
摘要
Das Kapitel beginnt damit, aufzuzeigen, wie außerordentlich bewusst sich neoliberale Protagonisten ihrer Zeit der Mehrdeutigkeit von Begriffen, feiner semantischer Unterscheidungen und des Werts von Grundbegriffen in politischen Debatten waren. Es wird zudem deutlich, wie die Neoliberalen zwischen der Anziehungskraft „sozialer“ Begriffe, dem Bestreben, diese für ihre Sache nutzbar zu machen, und der Abneigung gegen das, was sie als inhärente Appelle an profane Emotionen (statt an rationale Argumente) empfanden, hin- und hergerissen waren. Das Kapitel analysiert diese semantischen Auseinandersetzungen während der Diskussionen auf den Tagungen der Mont Pèlerin Society und den öffentlichen Konferenzen der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft. Da der Zeitgeist in den ersten Nachkriegsjahren wirtschaftlicher Planung und Forderungen nach sozialer Sicherheit wohlgesonnen war, sahen sich die Neoliberalen mit einem starken Gefüge sozialer Begrifflichkeiten und der Einsicht konfrontiert, dass semantische Zugeständnisse notwendig waren. Die Entscheidung, bestimmte Begriffe zu übernehmen, war jedoch nur der erste Schritt im semantischen Spiel. Es folgte die Umstrukturierung des semantischen Feldes, durch das Ziehen neuer Grenzen zu weiteren Begriffen, um dadurch die Bedeutungen anzupassen. Das Kapitel untersucht daher, ob und wie soziale Begriffe – wie soziale Gerechtigkeit, Gleichheit, Wohlfahrtsstaat, Sozialpolitik oder der Neologismus Vitalpolitik – in die neoliberale Konzeption integriert wurden.