Die „zweite Nachkriegszeit“: Rückkehr und erneuerte Allianzen (1945–1953)
摘要
Das Kapitel betont die Kontinuität neoliberaler Bestrebungen, die sich von der Weimarer Republik bis zur Bundesrepublik erstrecken. Die Korrespondenz zwischen Alexander Rüstow, Wilhelm Röpke, Walter Eucken, Alfred Müller-Armack und anderen zeigt, dass deutsche Neoliberale bereits in den frühen Nachkriegsjahren begannen, Strategien zu entwickeln, um ihre Stellung als anerkannte Experten und Intellektuelle zurückzugewinnen. Um Einfluss auf die sich neu formierenden gesellschaftspolitischen Strukturen des entstehenden Staates zu nehmen, intensivierten sie ihren Austausch, stellten Kontakte zur internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft wieder her und erneuerten Allianzen mit Politikern, Unternehmern und den Medien. Das in der Zwischenkriegszeit aufgebaute weitreichende Netzwerk, wie gezeigt werden wird, wurde nach 1945 erfolgreich reaktiviert, was erklärt, wie die Neoliberalen rasch wieder an Einfluss gewinnen konnten. Ihre Korrespondenz offenbart zudem, wie genau sie die literarischen Aktivitäten der jeweils anderen beobachteten und deren Wert für die Förderung der gemeinsamen Sache – ein neoliberales Comeback in Deutschland – einschätzten. Der zweite Abschnitt behandelt die Versuche der Protagonisten, Einfluss auf den Wiederaufbauprozess nach dem Krieg zu nehmen. Bestehende Institutionen, so wird das Kapitel zeigen, galten im Hinblick auf die neoliberale Strategie, die führenden Kreise der Gesellschaft zu überzeugen und die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten zu wenden, als ineffektiv: Daher der neoliberale Wunsch, Anfang der 1950er Jahre einen marktwirtschaftlichen Think-Tank zu initiieren.