Einleitung
摘要
Das Kapitel skizziert die Methodik der Studie und gibt einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse. Das „deutsche neoliberale Projekt“ nach 1945 war durch eine hohe Sensibilität für Semantik und das Bewusstsei geprägt, dass Begriffe die gesellschaftliche Vorstellungskraft formen und politischen Wandel anstoßen können. Ein zentrales Element des Erfolgs des Neoliberalismus in den 1950er und frühen 1960er Jahren lag in der bewussten und strategischen Neuordnung des semantischen Feldes: „missbrauchte“ Begriffe wurden aufgegeben oder wieder angeeignet, bestehende Bedeutungen infrage gestellt oder neue Konzepte in die politische Debatte eingeführt. Von deutschem Neoliberalismus zu sprechen, bedeutet nicht, dass eine eigenständige deutsche Variante des Neoliberalismus existierte (oft als Ordoliberalismus bezeichnet), die sich von anderen Variant unterschied, sondern soll die ideelle Zugehörigkeit der deutschen Vertreter zur neoliberalen Ideologie unterstreichen. Der deutsche Neoliberalismus ist vielfältiger, flexibler und weit weniger dogmatisch, als gemeinhin angenommen wird. Daher sollten die Vorstellungen vom deutschen Neoliberalismus erweitert werden, um Aktivitäten und Motive zu erfassen, die auf den ersten Blick nicht neoliberal erscheinen. Die Untersuchung der Schriften und öffentlichen Äußerungen der Neoliberalen im geschichtlichen Kontext ermöglicht es, die pragmatischen, oft strategisch zugeschnittenen Vorstellungen des deutschen Neoliberalismus zu erfassen – vorbereitet und propagiert durch Denkfabriken wie die Mont-Pèlerin Society (MPS) und die Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM).