Unsicherheiten des Russisch-Ukrainischen Krieges: Eine Neubewertung des Diskurses
摘要
Dieses Kapitel erörtert die Unsicherheiten, die sowohl die Kriegshandlungen als auch die politische Rhetorik im Westen und in Russland beeinflussen, insbesondere im Hinblick auf die sich wandelnde Darstellung des Krieges in den politischen Arenen und auf dem Schlachtfeld. Es wird argumentiert, dass die territorialen Verluste und Gewinne während der Wintermonate 2022–2023 sowie die Erwartung einer ukrainischen Frühjahrsoffensive die anfänglichen Diskurse auf beiden Seiten des politischen Spektrums verändert haben. Es wird aufgezeigt, dass sich der politische Diskurs auf beiden Seiten verhärtet hat und die Feindseligkeiten zwischen den Kriegsparteien derart zugenommen haben, dass Diplomatie – zumindest vorerst – keine Option mehr darstellt. Zwei zentrale Argumente im Zusammenhang mit dem „Tod der Diplomatie“ werden diskutiert. Es wird dargelegt, dass beide auf wahrgenommenen oder realen existenziellen Bedrohungen beruhen. Die Ukraine sieht sich einer existenziellen Bedrohung durch Russland ausgesetzt, während Russland eine existenzielle Bedrohung durch das westliche Bündnis, etwa durch die Präsenz der NATO in der Ukraine, wahrnimmt. Dies, so das Argument, lässt im andauernden Krieg kaum Raum für diplomatische Lösungen. Abschließend wird in dem Kapitel die These vertreten, dass angesichts der sich verändernden politischen und militärischen Lage sowie des Endes der Diplomatie kein Sieger in Sicht ist.