Lehren mit Herz: Pädagogische Liebe in MINT-Fächern in der Hochschulbildung
摘要
Dieses Kapitel befasst sich mit den Forschungsergebnissen zu Teilnehmenden des Programms Teaching With Heart, das von der John Templeton Foundation gefördert wurde und darauf abzielt, Persönlichkeitsentwicklung durch Gemeinschaft zu stärken. Anliegen des Projekts ist der Aufbau einer Gemeinschaft von Professor_innen Professor_inaus den MINT-Fächern in der Hochschulbildung, die sich dem Prinzip verpflichten, mit einer Haltung der Liebe in ihren technisch-naturwissenschaftlichen Unterrichtsräumen zu unterrichten – mit dem Ziel, eine Bewegung gleichgesinnter Lehrender anzustoßen, die die Hochschulbildung im MINT-Bereich grundlegend transformiert. Drei Kohorten von jeweils etwa 20 Lehrenden wurden über die Heimatinstitutionen und beruflichen Netzwerke der Forschenden gewonnen, sodass im Verlauf des Projekts mehr als ein Dutzend Institutionen einbezogen wurden. In diesem Kapitel werden die Rückmeldungen der Teilnehmenden aus den ersten beiden Kohorten sowie die Perspektiven ihrer Student_innen analysiert. Ziel der Untersuchung ist es, die Auswirkungen von Teaching With Heart auf das Wohlbefinden der Lehrenden und Studierenden, auf die Unterrichtspraxis und die Lernumgebungen sowie auf die Erfahrungen der Student_innen zu eruieren. Die Forschenden gingen davon aus, dass die Unterstützung von Lehrenden bei der Implementierung einer Pädagogik der Liebe zu einer Steigerung des Wohlbefindens und zu besseren Lernerfahrungen führen würde. Doch obwohl in der Hochschulbildung vielfach der Wunsch nach Veränderung geäußert wird, gestaltet sich deren Umsetzung oft schwierig – insbesondere angesichts hoher Leistungsanforderungen, des Zeitdruck und drohender Burnout-Gefahr. Die Rückmeldungen der beteiligten Lehrenden werden gemeinsam mit den Antworten der Student_innen auf Fragebögen analysiert, um so vertiefte Einblicke zur Frage zu erhalten, was Studierende und Lehrende benötigen, um sich in der akademischen Arbeit unterstützt zu fühlen. Besonders in den MINT-Fächern, deren Curricula historisch durch Strenge und geringe Flexibilität geprägt sind, erweisen sich Veränderungen hin zu mehr Menschlichkeit und Anpassungsfähigkeit als essenziell. Die Ergebnisse dieser Forschung deuten darauf hin, dass Institutionen jene Lehrenden stärker unterstützen sollten, die sich für das Wohl der Student_innen einsetzen – etwa durch strukturelle Ressourcen, die einen gesunden Umgang mit Anforderungen und Beziehungen ermöglichen. In diesem Zusammenhang wird das Flow-of-Care-Modell vorgestellt, das die Verschränkung institutioneller Hierarchien und die Verantwortung der Hochschulen für die Ermöglichung liebevoller Lehre thematisiert. Es bedarf einer differenzierten und tragfähigen Sprache, um die Notwendigkeit von Anpassungsfähigkeit innerhalb liebebasierter Pädagogik zu artikulieren – verstanden als vielfältige Modi der Care-Praxis, die differenziertes pädagogisches Handeln entlang variabler Bedürfnisse ermöglichen.