Liebe kann Rosen in Beton wachsen lassen: Kritische Liebestheorie und ihre Praxis in Bildungszusammenhängen
摘要
Obwohl Schulen gemeinhin mit Hoffnung und Aufstiegschancen assoziiert werden, tragen sie in stratifizierten und hierarchischen Gesellschaften häufig zur Reproduktion sozialer Ungleichheit bei. Vor dem Hintergrund tief verwurzelter und struktureller Chancenungleichheiten entscheiden sich viele erfolgreiche Schüler_innen aus benachteiligten oder marginalisierten Kontexten bewusst für eine Laufbahn im Bildungsbereich – getragen von der Hoffnung, Schule gerechter gestalten zu können, als sie selbst sie erlebt haben. Als Lehrpersonen engagieren sie sich für das, was in diesem Kapitel als Praxis der Kritischen Liebe beschrieben wird: eine wachsende, widerständige Form der Liebe, die gerade dort entsteht und wirkt, wo Zuwendung, Anerkennung und strukturelle Gerechtigkeit fehlen. Das Kapitel basiert auf einer kritisch-ethnografischen Fallstudie der Roses in Concrete Community School (RiC), die in East Oakland, Kalifornien, als antihegemoniales Schulprojekt gegründet wurde. Sie versteht sich als gemeindebasierte Antwort auf die Forderung nach Selbstbestimmung in der Bildung Schwarzer, indigener und of Color Kinder und Familien. Die Gründer_innen dieser Schule verfolgen das Ziel, Schule neu zu denken – nicht nur als Ort des Lernens, sondern als Zentrum des Wohlbefindens, der kollektiven Heilung und der sozialen Transformation. Dabei stehen Selbstkenntnis und gemeinschaftsbezogenes Wissen im Mittelpunkt. Auf Grundlage von teilnehmender Beobachtung, Dokumentenanalysen sowie Interviews mit Gründer_innen, Lehrkräften und Mitarbeitenden stellt dieses Kapitel die Theorie der Kritischen Liebe vor und analysiert deren konkrete pädagogische Praxis, wie sie an der RiC gestaltet und gelebt wird. Zudem wird die Relevanz Kritischer Liebe für die Aus- und Weiterbildung pädagogischer Führungskräfte im Kontext sozialer Gerechtigkeit diskutiert und ein Ausblick auf zukünftige Forschungsfelder eröffnet.