Das demokratische Prinzip der Wahlgleichheit gilt für Europawahlen auf nationaler Ebene, jedoch nicht EU-weit: Die Anzahl der Stimmen, die für einen Sitz erforderlich sind, variiert stark zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten. Dies hat mehrere Ursachen, zu denen insbesondere die „degressive Proportionalität“ der nationalen Sitzkontingente sowie nationale Unterschiede bei der Wahlbeteiligung und dem Anteil der „verlorenen“ Stimmen (d. h. Stimmen, die bei der Sitzverteilung nicht berücksichtigt werden) zählen. Darüber hinaus können Rundungseffekte zu großen Unterschieden im Sitze-zu-Stimmen-Verhältnis selbst zwischen Parteien aus demselben Mitgliedstaat führen. Dieser Beitrag untersucht, inwieweit diese Verzerrungsfaktoren das Ergebnis der Europawahl 2024 beeinflussten, sowohl in Bezug auf nationale Einzelparteien als auch auf die transnationalen Fraktionen. Während sich die Repräsentationsverhältnisse einzelner Parteien stark unterscheiden, sind die Verzerrungen auf Ebene der Fraktionen deutlich weniger gravierend, da sich hier mehr und weniger „teure“ Sitze tendenziell die Waage halten. Dennoch bleibt die Ungleichheit der Wahl ein strukturelles Problem für das Europäische Parlament, das ohne eine umfassende Reform des europäischen Wahlrechts nicht gelöst werden kann.

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Wie viele Stimmen sind nötig, um einen Sitz zu gewinnen? Verzerrungen der Wahlgleichheit bei der Europawahl 2024

  • Manuel Müller

摘要

Das demokratische Prinzip der Wahlgleichheit gilt für Europawahlen auf nationaler Ebene, jedoch nicht EU-weit: Die Anzahl der Stimmen, die für einen Sitz erforderlich sind, variiert stark zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten. Dies hat mehrere Ursachen, zu denen insbesondere die „degressive Proportionalität“ der nationalen Sitzkontingente sowie nationale Unterschiede bei der Wahlbeteiligung und dem Anteil der „verlorenen“ Stimmen (d. h. Stimmen, die bei der Sitzverteilung nicht berücksichtigt werden) zählen. Darüber hinaus können Rundungseffekte zu großen Unterschieden im Sitze-zu-Stimmen-Verhältnis selbst zwischen Parteien aus demselben Mitgliedstaat führen. Dieser Beitrag untersucht, inwieweit diese Verzerrungsfaktoren das Ergebnis der Europawahl 2024 beeinflussten, sowohl in Bezug auf nationale Einzelparteien als auch auf die transnationalen Fraktionen. Während sich die Repräsentationsverhältnisse einzelner Parteien stark unterscheiden, sind die Verzerrungen auf Ebene der Fraktionen deutlich weniger gravierend, da sich hier mehr und weniger „teure“ Sitze tendenziell die Waage halten. Dennoch bleibt die Ungleichheit der Wahl ein strukturelles Problem für das Europäische Parlament, das ohne eine umfassende Reform des europäischen Wahlrechts nicht gelöst werden kann.