Während das Interesse am Kapitalismus in der Geschichtswissenschaft wieder erwacht ist, erlangten die vermeintlichen und tatsächlichen Profiteure des Kapitalismus von Historikerinnen und Historikern bisher weitgehend untergeordnete Aufmerksamkeit. In dem vorliegenden Beitrag wird argumentiert, dass das antisemitische Stereotyp des „reichen“ Juden die Kapitalismuskritik bis weit in das 20. Jahrhundert hinein prägte. Im Fokus dieses Artikels steht zum einen das um 1900 ermittelte statistische Wissen über die besonders Vermögenden und Wohlhabenden im Deutschen Reich. Ein zweiter Abschnitt analysiert Werner Sombarts umstrittenes Buch Die Juden und das Wirtschaftsleben und interessiert sich für die Narrative der frühen Sozialwissenschaft über Reichtum im beginnenden 20. Jahrhundert. Das übergreifende Argument ist, dass die öffentliche Wahrnehmung von Reichtum tief mit dem Politischen verwoben und die Figur des „reichen“ Juden in diesem Kontext zu verorten ist.

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Moralizing Wealth: Deutsche Debatten über Kapitalismus und Bilder über Juden im frühen 20. Jahrhundert

  • Alexandra Przyrembel

摘要

Während das Interesse am Kapitalismus in der Geschichtswissenschaft wieder erwacht ist, erlangten die vermeintlichen und tatsächlichen Profiteure des Kapitalismus von Historikerinnen und Historikern bisher weitgehend untergeordnete Aufmerksamkeit. In dem vorliegenden Beitrag wird argumentiert, dass das antisemitische Stereotyp des „reichen“ Juden die Kapitalismuskritik bis weit in das 20. Jahrhundert hinein prägte. Im Fokus dieses Artikels steht zum einen das um 1900 ermittelte statistische Wissen über die besonders Vermögenden und Wohlhabenden im Deutschen Reich. Ein zweiter Abschnitt analysiert Werner Sombarts umstrittenes Buch Die Juden und das Wirtschaftsleben und interessiert sich für die Narrative der frühen Sozialwissenschaft über Reichtum im beginnenden 20. Jahrhundert. Das übergreifende Argument ist, dass die öffentliche Wahrnehmung von Reichtum tief mit dem Politischen verwoben und die Figur des „reichen“ Juden in diesem Kontext zu verorten ist.