Konfrontation oder Kooperation? Die Arbeiterbewegung und die Wirtschaftseliten in Westdeutschland nach 1945
摘要
Am Ende des Zweiten Weltkriegs standen sich in Deutschland die Wirtschaftseliten und die Arbeitnehmerorganisationen scheinbar in einer erbitterten Konfrontation gegenüber. Während die Wirtschaftsführer die kapitalistische Wirtschaftsordnung und ihre eigene wirtschaftliche Macht erhalten wollten, forderten die Gewerkschafter eine radikale Reform des Kapitalismus, eine weitgehende Sozialisierung zumindest der wichtigsten Industrien und die Beseitigung der alten Wirtschaftseliten, die sie für die Zerstörung der Weimarer Demokratie verantwortlich machten. Mitte der 1950er-Jahre hatte sich in Westdeutschland jedoch eine neue Ordnung der Arbeitsbeziehungen herausgebildet, die auf enger Zusammenarbeit und gegenseitigem Respekt zwischen Kapital und Arbeit beruhte. Im Vergleich zu anderen westeuropäischen Nachkriegsgesellschaften war das Ausmaß der Arbeitskonflikte gering. Wie kam es zu diesem Wandel? In diesem Artikel wird die These vertreten, dass die Auseinandersetzungen des Kalten Krieges eine Entradikalisierung der Arbeitnehmerproteste und die Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmern und Management förderten. Da jede Protestbewegung in den Betrieben leicht als kommunistische Machenschaften denunziert werden konnte, konnten Proteste nur dann auf Erfolg hoffen, wenn sie sich von allgemeineren politischen Fragen fernhielten und über formal anerkannte Kanäle der repräsentativen Politik liefen. In der politisch aufgeladenen Atmosphäre der späten 1940er- und frühen 1950er-Jahre erwies sich eine Politik des Kompromisses als die einzige langfristig realisierbare Option für die Arbeitnehmervertreter.